Andreas Kuhn - Markus Lahr 1/2Der aktuelle Spieltag der Verbandsliga Süd bescherte uns am 10. November 2019 in unserem ersten Heimspiel den SC Flörsheim 1. Den Mitaufsteiger (aus der Landesklasse Süd) galt es natürlich zu bezwingen, wollten die Erbacher Schachsportler nicht schon nach drei Spieltagen in ärgsten Abstiegsnöten schweben. Wir rechneten uns trotz der beiden eigenen bisherigen Niederlagen realistische Chancen aus, da der DWZ-Unterschied zwischen den beiden Mannschaften zwar für die Flörsheimer sprach, aber nicht allzu groß war. Doch auch im dritten Spiel fehlte den Sekt- und Rosenstädtern an der ein oder anderen Stelle ein wenig das nötige Quentchen Glück...

Die Schachfreunde Erbach konnten erstmals in der laufenden Saison mit Heiko Marzahn, Uli Bischoff, Frank Schmidt, Wladimir Becker, Dimitri Alexandrovski, Andreas Kuhn, Dr. Eric Simon und Hendrik Aßmann ihre "Stamm-8" an die Bretter schicken. Flörsheim hingegen reiste ersatzgeschwächt in den Rheingau. So mussten die Gäste gleich zwei starke vordere Bretter ersetzen - der DWZ-Vorsprung der Flörsheimer schrumpfte somit auf lediglich 15 Zähler (von ursprünglich 61 Zählern). Das schaute auf dem Papier (= Wettkampfmeldung) schon mal nach einem VierVier aus. Also startete Erbach zumindest mit dem Gefühl, den Mannschaftskampf durchaus offen gestalten zu können und im statistischen Normalfall nicht zu verlieren.


Das erste Ergebnis stand nach knapp zwei Stunden am 6. Brett fest. Andreas kam prima aus der Eröffnung gegen seinen nominell schwächeren Gegner heraus, manövrierte sich aber dann langsam in ene schwierige Stellung, in der sein Gegner zu Angriffchancen kam. Andreas Königsstellung war ein wenig luftig und hätte durchaus bei konsequenterem Angriffspiel seines Gegners ausgenutzt werden können. In der Diagrammstellung ist jedoch trotz des Qualitätsgewinns durch den Flörsheimer nicht mehr als ein Remis drin, da nach 24. Dxe6+ das Dauerschach nicht mehr zu vermeiden ist. Es stand somit 0,5:0,5 und es war noch nichts passiert, alles offen und ein ordentlicher Beginn. Das Remis ging an diesem Brett wohl in Ordnung.

Wolfgang Ruppert - Heiko Marzahn 1:0Nach etwa drei Stunden Spielzeit kam es dann zu einer ersten Entscheidung. Am 1. Brett spielte Heiko naturgemäß gegen den stärksten Spieler der Gäste, aber mit 2200 DWZ hatte dieser FM-Niveau. So verwunderte es natürlich nicht, daß Heiko aus der Eröffnung heraus unter Druck stand und Mühe hatte, Gegenspiel zu entwickeln bzw. "den Laden zusammenzuhalten". In der Diagramstellung wäre für unser Spitzenbrett ein schöner Bauerngewinn möglich gewesen. Diese Spielidee sah Heiko bereits ein oder zwei Züge früher, war aber erst nach dem weißen Partiezug 18. Tc3 möglich! Aber da es vorher keinen Vorteil versprach, mit dem Läufer den Springer zu schlagen, hatte Heiko diese Idee nicht mehr auf dem Schirm... Schade, der Bauerngewinn hätte sicherlich noch einmal Auftrieb gegeben, so aber ging die Partie dann doch verloren. Kein Beinbruch für die Mannschaft - aber leider auch kein Rückenwind! Erbach lag somit 0,5:1,5 hinten.

Wahid Jamali - Dr. Eric Simon 1-0: Der Freibauer muss entweder gestoppt werden, oder der gegnerische König mattgesetzt...Sehr unglücklich agierte Eric am 7. Brett. Gegen das Londoner System seines Gegners kam er mit schönem Vorteil aus der Eröffnung heraus und belagerte geschickt zwei "hängende Bauern" seines Gegners, ein immer wiederkehrendes Motiv im Schach. Die Partie nahm allerdings nach einem Bauern-Einsteller einen ungünstigen Verlauf - statt dem erhofften Sieg war danach nur noch ein Remis drin. Erics Gegner half aber noch etwas nach, und stellte seineseits einen Bauern ein, so daß Materialgleichheit wieder hergestellt war. Allerdings besaß Erics Gegner starke Initiative aufgrund eines Freibauern auf der a-Reihe. In der Diagrammstellung hätte Eric mit 29...Dd2 auf Königsangriff spielen müssen, statt zu versuchen, den Freibauern des Gegners irgendwie aufzuhalten. Der sich entwickelnde Angriff führt zwar nicht zum Matt - aber das Dauerschach rettet! Das war natürlich sehr schwer zu sehen. Leider zog Eric diese Option nicht in Erwägung und verlor dann noch diese Partie - der a-Bauer war nicht zu stoppen. Sehr tragisch - hier war definitv mehr drin. Zwischenstand 0,5:2,5. Das war natürlich nicht im Sinne der Rheingauer.

Luis Kuhn - Dimitri Alexandrovski 1/2 - nach dem Fehler 24...Sxf4? findet der Flörsheimer zum Glück nicht das starke 25. Dh7! An den übrigen fünf Brettern sah es zu diesem Zeitpunkt jedoch recht vielversprechend aus. Uli, Frank und Wladimir standen gut oder sogar besser, Dimitri sah sich einem starken Angriff ausgesetzt aber sicher nicht ohne eigene Chancen und Hendriks Partie bewegte sich auf Remisbreite. Es stand aber auch die 1. Zeitkontrolle kurz bevor, so daß der ein oder andere Spieler seine Entscheidungen unter Zeitdruck treffen musste. Am 5. Brett schaffte es der Flörsheimer Spieler nicht, den entscheidenden Zug 25. Dh7! in der Diagrammstellung zu finden, nachdem Dimitri im Vorfeld die ein oder andere Verbesserung ausgelassen hatte. Die Partie endete nach wildem Gefecht in einem für Dimitri vermutlich gewonnenen Endspiel (jedenfalls nicht mehr zu verlieren). Er einigte sich aber mit seinem Gegner auf Remis zum 1:3 Zwischenstand. Vermutlich geht das Partieresultat in Ordnung, das Enspiel hat aber vermutlich gute Möglichkeiten auf einen vollen Punkt geboten, um damit wieder an die Flörsheimer heranzukommen.

Hendrik Aßmann - Cesar Vega Lopez (0-1): 31. Dg3! und Weiß steht sicher (Remis).Leider folgte der nächste Tiefschlag auf dem Fuße. Hendrik, der seine Partie über weite Strecken ordentich gespielt hatte kam in hochgradige Zeitnot und hatte deshalb kaum die Möglichkeit, seine Züge noch sauber durchzurechnen. In der Partiestellung wäre 31. Dg3 völlig in Ordnung gewesen - nach dem vermeintlich aktiveren 31. Sg3 geht nach 31...Tg5 einfach eine Figur verloren. Mit diesem Materialnachteil war die Partie nicht mehr zu retten und Flörsheim baute die Führung auf 4:1 aus. Jetzt war nur noch ein VierVier möglich.

Ulrich Bischoff - Wolfgang Pötschke (1-0): Statt 32. Lxa3 nun stark 32. g6! und der Gewinn ist nicht mehr weit...Zeit für Erbachs stärkste Phase: mit Partiegewinnen am 2. und 4. Brett gelangen Uli und Wladimir die Anschlußtreffer zum 3:4. Uli spielte eine solide Partie in der er nie in Schwierigkeiten geraten ist. In der Diagrammstellung hätte er die Partie mit g6 ein wenig schneller beenden können, das Motiv aber ein paar Züge später aufgegriffen und zügig gewonnen.

Wladimir Becker - Robert Becker (1-0): Nach 37...Kf7? wäre 38. Tc7+ ein echter Knaller gewesen. es hat aber auch so sicher gereicht.Ähnlich lief es für Wladimir, der seinen Gegner sauber überspielte. Eine interessante Partiefortsetzung hat auch er in der Diagrammstellung aufgrund von akuter Zeitnot ausgelassen - aber am Ende den vollen Punkt sicher eingefahren. Mit 38. Tc7+ konnte Wladimir ein tolles Finale einleiten. 38...Dc7 wird dann als stärkste Möglichkeit seitens des Computers angegeben, was aber natürlich aufgrund des enormen Materialnachteils für Schwarz hoffnungslos ist (nach 39. Sxc7). Nimmt der Schwarze mit 38...Kxe6 den weißen Springer vom Brett, dann wird der schwarze König mit 39. De7+ gejagt und entweder Matt gesetzt oder Schwarz muß entscheidend Material zurückgeben. Das in Zeitnot belastbar zu rechnen war Wladimir dann doch zu gefährlich und er begnügte sich mit dem sicheren und ähnlich wirkungsvollen 38. Dd6.

Es hing nun alles an Frank, der am 3. Brett zunächst prima gegen die Englische Eröffnung seines Gegners herausgekommen ist und zumindest Partieausgleich hatte. Leider schaffte es Frank im Verlauf der Partie nicht, seinen Gegner unter weiteren Druck zu setzen und geriet zusehends in Bedrängnis. Die Partie mündete dann zum Leidwesen der Gastgeber in ein total verlorenes Endspiel, das Frank dann auch schließlich aufgab. Erbach verlor diesen Mannschaftskampf somit 3:5.

"Einmal mehr haben wir aus unseren Möglichkeiten zu wenig herausgeholt.", kommentierte "non-playing captain" & Mannschaftsführer Markus Pauly den Wettkampf. "An den ersten vier Brettern ein 2:2 zu holen zeigt, daß wir auch "vorne" gut mithalten können. Daß wir aber an den hinteren vier Brettern trotz DWZ-Vorteilen an allen vier Brettern lediglich einen Zähler geschafft haben, ist klar zu wenig. Wir hatten heute gute Chancen uns im Abstiegskampf gegen einen direkten Konkurrenten ein wenig Luft zu verschaffen - leider haben wir uns hier selbst ein Bein gestellt." Die "Mission Klassenerhalt" wird damit natürlich nicht leichter - es verbleiben noch sechs Mannschaftskämpfe und die beiden stärksten Teams der Liga warten noch auf die Schachfreunde Erbach. Das dürfte ein hartes Stück Arbeit werden, aber trotz allem immer noch zu schaffen sein.

In knapp vierzehn Tagen, am Sonntag den 1. Dezember 2019, spielt unsere 1. Mannschaft auswärts gegen den Nachbarverein TuS Dotzheim. Die Dotzheimer sind ebenfalls nicht gut in die Saison gestartet und konnten erst einen Mannschaftspunkt erspielen. Mit einem Auswärtssieg im Derby wären die Aussichten auf den Klassenerhalt wieder etwas erfreulicher. Mit der richtigen Einstellung und ein wenig Fortune sollte das doch möglich sein! Der Wettkampf beginnt um 14 Uhr in den Räumlichkeiten des TuS Dotzheim - Zuschauer sind natürlich wie immer herzlich willkommen!


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